Intersektionalität

Sexismus

Sexismus bezeichnet jede Form der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts sowie die diesem Phänomen zugrunde liegende Geschlechterrollen festschreibende und hierarchisierende Ideologie. Er bezieht sich auf gesellschaftlich erwartete geschlechtsspezifische Verhaltensmuster , wobei Männer eine privilegierte Position haben (Patriarchat). Primär sind deshalb Frauen vom Sexismus betroffen.

Aus sozialpsychologischer Perspektive können gleichwohl auch Männer von Sexismus betroffen sein. Während die offene Zustimmung zu klassischen Formen von Sexismus über die Jahre zurückgegangen ist, zeichnen sich moderne Formen von Sexismus heute durch die Leugnung der andauernden Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen aus. Darüber hinaus wird in der sozialpsychologischen Forschung seit den 1990er Jahren zwischen feindseligem (hostilem) Sexismus und wohlwollendem (benevolentem) Sexismus unterschieden. Hostiler Sexismus äußert sich demnach in offen negativen Einstellungen gegenüber Frauen und zielt besonders auf Frauen ab, die sich nicht gemäß traditioneller Rollenbilder verhalten. Benevolenter Sexismus äußert sich hingegen in (scheinbar) positiven, paternalistischen Einstellungen gegenüber rollenkonformen Frauen, betont jedoch gleichzeitig deren Schutzbedürftigkeit und Abhängigkeit und kann so unterschwellig der Festigung des Machtgefälles zwischen Männern und Frauen dienen. Beide Komponenten hängen miteinander zusammen, verstärken und begünstigen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern.

Klassismus

Klassizismus bezeichnet die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft und/oder der sozialen und ökonomischen Position. Es geht bei Klassismus also nicht nur um die Frage, wie viel Geld jemand zur Verfügung hat, sondern auch welchen Status er hat und in welchen finanziellen und sozialen Verhältnissen er aufgewachsen ist. Klassismus richtet sich mehrheitlich gegen Personen einer „niedrigeren Klasse“.

Individuen mit ähnlichem Bildungshintergrund leben im selben sozio-kulturellen Raum (Ghetto). Sie sind ähnlicher Diskriminierung ausgesetzt, haben ähnlich (eingeschränkte) Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation und Beschäftigung sowie der Erlebnisverarbeitung. Diese Klassenlagerung stellt die Bedingungen, welche die objektiven Lebenschancen festlegen. Sie führt nicht zwangsläufig zu einem Klassenbewusstsein, beeinflusst allerdings in jeden Fall das Handeln, Denken und Fühlen der Individuen. Gegen ethnische Minderheiten, Frauen oder sexuelle Vorlieben einer Person zu hetzen ist in der politisch korrekten Welt von heute gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Sich über das Prekariat oder einzelne scheinbar bildungsferne Menschen lustig zu machen wird hingegen oft noch immer mit Beifall bedacht.

Rassismus

Rassismus ist nicht immer an „Rasse“ gebunden. In der vollen U-Bahn bleiben die Plätze neben dem Vollbärtigen mit Aktentasche frei. Hier werden wahrgenommene körperliche Merkmale mit einer Religionszugehörigkeit assoziiert. Spätestens seit dem 11. September 2001 gilt "der Islam" als Bedrohung für "die westliche Welt". Muslimen wird damit die Position der "Fremden" zugewiesen, die vorher über "Rasse", "Ethnie" oder "Kultur"definiert wurde.Die Verknüpfung von Ausgrenzung und Macht bildet die rassistische Ideologie welche dazu dient, bestimmte Gruppen vom Zugang zu materiellen, kulturellen und symbolischen Ressourcen auszuschließen.

Aufgrund der bis heute anhaltenden globalen Vormachtstellung durch die Kolonialisierung des „weißen Nordens“ gegenüber dem „Schwarzen Süden“ kann es keinen Rassismus gegen weiße Menschen geben, auch wenn diese wegen ihrer Hautfarbe in anderen Ländern anders behandelt werden. Die Definition von Rassismus liegt bei den Betroffenen selbst; was sie als rassistisch empfinden sollte als solches betrachtet werden, ungeachtet der Wahrnehmung anderer (weißer) Beteiligter.

Das Statistische Bundesamt vermerkt bei einem Menschen nur dann einen Migrationshintergrund, wenn die Person selbst ausländisch ist oder mindestens ein Elternteil nicht als Deutscher geboren wurde. Tahir Della, Pressesprecher der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“, erklärt, was das praktisch bedeutet. Meine Frau und ich sind afrodeutsch. Meine Kinder sind also auch Afrodeutsche. Sie machen die gleichen Rassismuserfahrungen wie ich. Da wir Eltern den deutschen Pass besitzen, sind meine Kinder aber in keiner Statistik erfasst.“

Meist beginnt schon im Jugendalter die Benachteiligung schwarzer Menschen. „Stereotypen spielen bei der Wahrnehmung Schwarzer Kinder eine große Rolle. Sie gelten meist als besonders lebhaft oder auch aggressiv. Später raten Lehrer Schwarzen Schulabgängern oft eher zu einer Ausbildung als zu einem Studium.“

Ableismus

Ableismus ist das Fachwort für die ungerechtfertigte Ungleichbehandlung ("Diskriminierung") wegen einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung oder aufgrund von Lernschwierigkeiten. Es ist also "Ableismus", wenn ein Mensch wegen einer bestimmten, oft äußerlich wahrnehmbaren Eigenschaft oder einer Fähigkeit – seinem "Behindertsein" – bewertet wird.

Im heutigen Alltag bedeutet Ableismus, dass Menschen mit Behinderung immer damit rechnen müssen, die Ausnahme zu sein. Sie müssen sich oftmals speziell anmelden, um eine Kulturveranstaltung zu besuchen, und können zum Beispiel nicht einfach davon ausgehen, dass der Zugang zum Gebäude oder die Übersetzung in Gebärdensprache gewährleistet sind. Menschen mit Behinderung werden durch stereotype Darstellungen in den Medien diskriminiert und auf ihre Behinderung reduziert.


Sexisismus oder Rassismus?

Was passiert wenn mehrere dieser verschiedenen Diskriminierungsformen sich in einer Person überschneiden? Intersektionalität ist eine besondere Form von Mehrfachdiskriminierung. Dieser Begriff bedeutet mehr als nur die Überlagerung von Rassismus, Klassismus, Sexismus und Ableismus.Es geht nicht darum die Unterdrückungsformen gegeneinander aufzuwiegen, sondern viel mehr um die Wechselwirkungen verschiedener Diskriminierungsformen.


























Frauen in den Vorständen der DAX-Unternehmen

Mit Statistiken gegen Diskriminierung kämpfen – dieser Grundgedanke ist uns auch in Deutschland nicht fremd. Nur 27 von 197 Vorstandmitgliedern deutscher DAX-Unternehmen sind weiblich.











Dieser Zeitstrahl zeigt die Entstehung von Intersektionalität bis heute.


Im Gegensatz zu den USA, wo bereits Ende der 1980er Jahre über soziale Ungleichheit und die Verwobenheit verschiedener Kategorien diskutiert und das Konzept der Intersektionalität von Kimberle Crenshaw benannt wurde, dauerte es etwas länger bis dieser neue Ansatz in Europa und im Speziellen in Deutschland übernommen werden konnte.

Bild auf dem eine Frau ein Schild mit 'Emanzipation = Klassenkampf' hält.












Kritik

Nikita Dhawan forderte kürzlich in einem Vortrag, die Intersectionality Studies dürften nicht in eine „Opfer-Olympiade“ verwandeln. Auch Budde fordert, die Kategorien nicht zu einer größtmöglichen Benachteiligung aufzuaddieren, sondern „vielmehr gilt es ja, sich für die Verwobenheiten der unterschiedlichen Machtverhältnisse zu interessieren und eine eigenständige, intersektionale Machtanalyse, die der Vielschichtigkeit gerecht wird, weiter auszuarbeiten.“ Es ist gleich wie viele Kategorien eingesetzt werden, sie reichen niemals aus, um eine Identität vollends zu erfassen oder beschreiben. Außerdem liegen möglicherweise nicht alle Identitäts-konstruktionen an den intersections.

Inzwischen ist das Bild der Kreuzung in die Kritik geraten, da es auf einzelne Überkreuzungen oder Schnittmengen zielt und damit „tendenziell von isolierten Strängen ausgeht“ (Dietze, Hornscheidt, Palm & Walgenbach, 2007, S. 9), statt Beziehungen von Ungleichheit und Marginalisierungen in den Vordergrund zu stellen. Daher gehen einige Überlegungen dahin, mit dem Begriff Interdependenz statt Intersektionalität zu arbeiten, um die wechselseitigen Abhängigkeiten zu betonen.

Zum anderen wird der zu Beginn dominierende Fokus auf die drei Kernkategorien Race, Class und Gender kritisiert und diskutiert, ob beziehungsweise auf wie viele weitere Ungleichheitskategorien er ausgeweitet werden sollte.
Lutz & Wenning benennen beispielsweise 13 bipolare bzw. hierarchische Differenzlinien: Geschlecht, Sexualität, ‚Rasse‘/Hautfarbe, Ethnizität, Nation/Staat, Klasse, Kultur, Gesundheit, Alter, Sesshaftigkeit/Herkunft, Besitz, Nord-Süd/Ost-West, Gesellschaftlicher Entwicklungsstand. Winker & Degele schlagen die Analyse der Kategorien Geschlecht, Rasse, Klasse und Körper vor, betonen aber gleichzeitig, dass Sensibilität und Offenheit für weitere und neue Kategorien der Diskriminierung in der empirischen Forschung unabdingbar sind.
Intersektionalität existiert also nicht als fertiges Konzept, sondern ist abhängig von dem jeweiligen Erkenntnisinteresse. Es ist unmöglich alle Kategorien gleichermaßen zu berücksichtigen, die an der Konstitution sozialer Ungleichheiten beteiligt sind.
Kritisiert wird außerdem die Neigung der Intersectionality Studies globale Verflechtungen und ökonomische Faktoren zu vernachlässigen. Nicht alle Formen sozialer Ungleichheit seien mit Hilfe intersektionaler Methoden zu analysieren.

Des Weiteren stellt das Wort ‚Rasse‘ im deutschen aufgrund der historischen Konnotation des Wortes ein Problem dar. Die Assoziation mit der nationalistischen Ideologie lenkt von der Bedeutung des soziologischen Begriff ‚Race‘ ab.

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Quellen



https://www.thekennedys.de/2016/08/26/ain-t-we-women-black-feminism-und-das-konzept-der-intersektionalit%C3%A4t/

http://www.bpb.de/apuz/178678/varianten-des-sexismus?p=all, Stand: 11.05.2019

Kimberle Crenshaw, Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics, in: The University of Chicago Legal Forum, (1989), S. 139–167, hier: S. 149, Übers. I.K.

Combahee River Collective, A Black Feminist Statement, in: Wendy K. Kolmar/Frances Bartkowski (Hrsg.), Feminist Theory. A Reader, Mountain View, CA 2000, S. 272, Übers. I.K.

http://portal-intersektionalitaet.de/uploads/media/Chebout__1_.pdf

https://www.klassegegenklasse.org/feminismus-intersektionalitaet-und-marxismus-debatten-ueber-geschlecht-race-und-klasse/

https://www.wbur.org/artery/2019/06/10/boston-combahee-river-collective-intersectional-black-feminism

https://www.boell.de/de/2018/07/03/von-welle-zu-welle

https://gender-glossar.de/glossar/item/25-intersektionalitaet , Carolin Küppers und https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/institut/arbeitsbereiche/ab_didaktik/QHM-Material/Sensibilisierungen-fuer-soziale-Ungleichheiten-im-Geschichtsunterricht-20012014.pdf

https://www.aktiv-gegen-diskriminierung.info/diskriminierungsformen

https://heimatkunde.boell.de/2014/10/06/rcg-magazin-zu-intersektionalitaet-mit-materialien-zum-download

https://gender-glossar.de/glossar/item/25-intersektionalitaet